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Gewerke · 6 Min. Lesezeit

Angebot für die Elektroinstallation prüfen: Was oft fehlt und was Sie fragen sollten

Stand: 6. Oktober 2026 · Von Niklas Brandt

Bei der Elektrik verschwindet fast alles unter Putz. Vergleichbar werden Angebote erst, wenn feststeht, wie viele Steckdosen und Stromkreise je Raum kommen. Die acht Punkte unten zeigen, wo Angebote häufig Lücken haben und was Sie den Elektriker dazu fragen.

Acht Prüfpunkte

Wo Elektro-Angebote oft Lücken haben

Die Nummern führen zum jeweiligen Prüfpunkt weiter unten.

Beispielhafte Illustration, kein Installationsplan. Ausstattung und Leitungswege hängen vom Haus ab.

Bevor Sie Angebote einholen

Gehen Sie vor der Anfrage Raum für Raum durch. Alle Betriebe sollten gegen dieselbe Liste anbieten.

  • RaumlisteNotieren Sie je Raum Steckdosen, Schalter, Leuchten und Netzwerkdosen.
  • PläneKlären Sie, ob Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaik in den nächsten Jahren kommen.
  • BauablaufLegen Sie fest, ob Sie während der Arbeiten im Haus wohnen.

Die acht Prüfpunkte

1

Ausstattung je Raum

Die DIN 18015-2 legt nur eine Mindestausstattung fest. Die Richtlinie RAL-RG 678 beschreibt darüber drei Ausstattungswerte von Mindest- bis Komfortausstattung. Ein Angebot sollte sagen, welcher Wert gemeint ist.

Häufig steht nur „Elektroinstallation Wohnung, pauschal“. Dann bleibt offen, wie viele Steckdosen Sie bekommen. Besser ist eine Liste je Raum mit Preisen je Auslass.

Fragen Sie: Wie viele Steckdosen, Schalter und Auslässe sind je Raum eingeplant, und nach welchem Ausstattungswert?

2

Zählerschrank

Wird die Anlage wesentlich geändert, endet der Bestandsschutz des alten Zählerschranks. Der neue muss den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers entsprechen. In älteren Häusern heißt das meist ein neuer Schrank.

Wärmepumpe und Wallbox ab 4,2 kW gelten als steuerbare Verbraucher. Dafür braucht der Schrank Platz für ein intelligentes Messsystem und die Steuerung. Die Anmeldung beim Netzbetreiber gehört mit ins Angebot.

Fragen Sie: Entspricht der Zählerplatz den Anschlussbedingungen des Netzbetreibers, und ist Platz für Smart Meter und Steuerbox?

3

Stromkreise und Schutzschalter

Steckdosen und Beleuchtung brauchen einen FI-Schutzschalter. Er schaltet ab, sobald Strom über einen Menschen abfließt. Mehrere FI für getrennte Gruppen verhindern, dass ein Fehler das ganze Haus abschaltet.

Neue oder erneuerte Anlagen brauchen zudem einen Überspannungsschutz. Er schützt die Geräte im Haus vor Spannungsspitzen, etwa bei Gewitter. Im Angebot fehlt er häufig. Fragen Sie auch nach freien Plätzen im Verteiler für spätere Erweiterungen.

Fragen Sie: Wie viele Stromkreise und FI-Schutzschalter sind vorgesehen, und ist ein Überspannungsschutz enthalten?

4

Leitungen, Schlitze und Putz

Neue Leitungen laufen in festen Installationszonen, damit später niemand beim Bohren eine trifft. Alte zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter sollten dabei ganz raus.

Das Schlitzen und Schließen steht meist im Angebot. Häufig fehlt das Verputzen und Streichen danach, oder es steht dort „bauseits“. Dann tragen Sie die Kosten selbst (solche Klauseln erkennen).

Fragen Sie: Wer schließt die Schlitze, und sind Putz- und Malerarbeiten enthalten?

Geht die Rechnung in Ihrem Elektro-Angebot auf?

Bei vielen kleinen Stückpositionen fällt ein Rechenfehler kaum auf. Der Kurz-Report prüft jede Zeile, die Nettosumme, die Mehrwertsteuer und den Endbetrag.

5

Erdung und Potentialausgleich

Wasser-, Gas- und Heizungsrohre werden über die Haupterdungsschiene mit der Erdung verbunden. So kann an ihnen im Fehlerfall keine gefährliche Spannung anliegen. Im Altbau fehlt oft ein wirksamer Erder im Boden oder die Verbindung zu einzelnen Rohren.

Ob die Erdung reicht, zeigt erst eine Messung. Eine Nachrüstung sollte deshalb als Eventualposition mit Preis im Angebot stehen.

Fragen Sie: Wird die Erdungsanlage gemessen, und sind Potentialausgleich und eine nötige Nachrüstung des Erders enthalten?

6

Leerrohre für später

Bei offenen Wänden kostet ein Leerrohr wenig. Später wird jede neue Leitung zur Baustelle. Sinnvoll sind Leerrohre zur Garage, zum Platz der Wärmepumpe, zum Dach und für Netzwerkkabel.

Eine Wallbox braucht eine eigene Zuleitung und einen eigenen FI-Schutzschalter, der auch Gleichstrom-Fehler erkennt. Ein gewöhnlicher FI reicht dafür nicht. Wird die Wallbox mitgeplant, gehört beides ins Angebot.

Fragen Sie: Welche Leerrohre und Reserven sind für Wallbox, Wärmepumpe und Photovoltaik vorgesehen?

7

Prüfprotokoll und Dokumentation

Nach der Installation wird die Anlage gemessen und geprüft. Das Protokoll dieser Erstprüfung und ein Plan der Stromkreise sollten ausdrücklich im Angebot stehen.

Beides brauchen Sie bei späteren Arbeiten, gegenüber der Versicherung und beim Verkauf des Hauses.

Fragen Sie: Bekomme ich nach der Fertigstellung das Prüfprotokoll und einen beschrifteten Stromkreisplan?

8

Abrechnung und Zusatzaufwand

Im Altbau zeigt sich manches erst bei offener Wand. Positionen „nach Aufwand“ sind dort üblich. Sie brauchen aber einen Stundensatz, eine geschätzte Menge und eine Freigabegrenze.

Die Arbeitskosten können Sie zu 20 % nach § 35a absetzen, höchstens 1.200 € im Jahr.

Fragen Sie: Wie wird abgerechnet, und ab welchem Betrag müssen Zusatzarbeiten vorher freigegeben werden?

Was den Preis treibt

Marktübersichten nennen für eine Komplettsanierung mit Standardausstattung meist 80 bis 150 € je m² Wohnfläche. Den größten Einfluss haben die Zahl der Auslässe, der Wandaufbau und ein neuer Zählerschrank. Wer während der Arbeiten im Haus wohnt, zahlt für Staubschutz und Bauabschnitte mit. Vergleichen Sie deshalb erst, wenn alle Angebote gegen dieselbe Raumliste gerechnet sind.

Häufige Fragen

Was muss in einem Angebot für die Elektroinstallation stehen?

Die Ausstattung je Raum mit Steckdosen, Schaltern und Auslässen, der Zählerschrank nach den Vorgaben des Netzbetreibers, Stromkreise mit FI-Schutzschaltern und Überspannungsschutz, die Leitungswege mit dem Schließen der Schlitze, Erdung und Potentialausgleich, Leerrohre für später sowie die Erstprüfung mit Protokoll.

Muss der alte Zählerschrank ersetzt werden?

Nicht automatisch. Ein unveränderter Zählerschrank genießt Bestandsschutz. Wird die Anlage wesentlich geändert, etwa für eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder eine Komplettsanierung, muss der Zählerplatz den aktuellen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers entsprechen. Das bedeutet in älteren Häusern meist einen neuen Schrank.

Was kostet es, die Elektrik im Haus zu erneuern?

Marktübersichten nennen für eine Komplettsanierung mit Standardausstattung meist 80 bis 150 € je m² Wohnfläche. Die Zahl der Auslässe, der Wandaufbau und ein neuer Zählerschrank verschieben den Preis stark.

Gibt es Förderung für die Elektrosanierung?

Eine eigene Förderung gibt es nicht. Gehört die Elektrik zu einer geförderten Maßnahme, etwa der Zählerschrank zur Wärmepumpe, wird sie dort als Umfeldmaßnahme mitgefördert. Sonst bleibt § 35a: 20 % der Arbeitskosten, höchstens 1.200 € im Jahr.

Quellen

Weiterlesen
Elektroinstallation · Angebot prüfen

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