„Kostenvoranschlag“ und „Angebot“ werden im Alltag synonym benutzt — rechtlich trennen sie Welten: Das Angebot bindet den Handwerker an seine Preise, der Kostenvoranschlag ist nur eine fachmännische Schätzung, die am Ende deutlich überschritten werden darf. Wer den Unterschied kennt (und die richtige Variante vereinbart), schützt sich vor der klassischen Überraschung: einer Endrechnung, die 20 Prozent über der erwarteten Summe liegt.
Der Unterschied in einer Tabelle
| Angebot | Kostenvoranschlag | |
|---|---|---|
| Rechtsnatur | Verbindlicher Antrag auf Vertragsschluss (§ 145 BGB) — nehmen Sie an, gilt der genannte Preis | Unverbindliche, aber fachmännische Kostenschätzung |
| Preisbindung | Ja, für die beschriebene Leistung | Nein — erst bei wesentlicher Überschreitung greifen Schutzrechte |
| Überschreitung | Nur bei echten, von Ihnen beauftragten Zusatzleistungen (Nachtrag) | Zulässig; ab ca. 15–20 % muss der Betrieb unverzüglich warnen (§ 649 BGB) |
| Kosten der Erstellung | Üblicherweise kostenlos | Im Zweifel kostenlos (§ 632 Abs. 3 BGB) |
Was beim Kostenvoranschlag wirklich gilt
Der Kostenvoranschlag (das Gesetz sagt „Kostenanschlag“) ist die Grundlage des Werkvertrags, aber keine Preisgarantie. Zwei Regeln schützen Sie trotzdem:
- Anzeigepflicht: Zeichnet sich ab, dass der Anschlag wesentlich überschritten wird, muss der Handwerker das unverzüglich anzeigen — nicht erst mit der Schlussrechnung (§ 649 Abs. 2 BGB). Als „wesentlich“ gilt nach der Rechtsprechung je nach Einzelfall meist eine Überschreitung um 15 bis 20 Prozent.
- Kündigungsrecht: Nach einer solchen Anzeige dürfen Sie den Vertrag kündigen und zahlen nur den Anteil der bereits erbrachten Arbeit (§ 649 Abs. 1, § 645 BGB) — nicht den vollen Preis.
Wichtig: Kleinere Überschreitungen unterhalb der Wesentlichkeitsgrenze müssen Sie hinnehmen. Wer eine feste Obergrenze will, braucht einen Festpreis — nicht einen Kostenvoranschlag.
So vereinbaren Sie einen Festpreis
Ein Festpreis (auch Pauschalpreis genannt) deckelt die Gesamtsumme — auch wenn einzelne Mengen am Ende höher ausfallen. Damit er hält, sollte er zwei Bedingungen erfüllen:
- Das Wort „Festpreis“ steht ausdrücklich im Angebot oder Auftrag, z. B.: „Die Leistungen laut Positionen 1–14 werden zum Festpreis von 18.500 € brutto ausgeführt.“
- Die Leistung ist präzise beschrieben — denn der Festpreis gilt nur für das Beschriebene. Je lückenhafter das Leistungsverzeichnis, desto mehr Spielraum für kostenpflichtige Nachträge. Was in eine saubere Leistungsbeschreibung gehört, zeigt Leistungsverzeichnis verstehen.
Achtung vor der Kehrseite: Ein Festpreis ohne aufgeschlüsselte Positionen („alles komplett für 24.000 €“) verschiebt das Risiko nicht zum Handwerker, sondern zu Ihnen — Sie können weder Umfang noch Qualität kontrollieren. Festpreis und detaillierte Positionen schließen sich nicht aus; seriöse Betriebe bieten beides.
Nachträge: die dritte Preisquelle
Ob Angebot oder Kostenvoranschlag — Mehrkosten entstehen in der Praxis oft durch Nachträge: Zusatzarbeiten, die während der Ausführung „nötig“ werden. Drei Regeln halten das kontrollierbar: Nachträge nur schriftlich mit Preis vor Ausführung freigeben, bei unerwarteten Befunden (z. B. Feuchteschaden unter den Fliesen) einen separaten Kostenrahmen vereinbaren, und prüfen, ob der „Nachtrag“ nicht in Wahrheit zur beauftragten Leistung gehört.
Häufige Fragen
Darf ein Kostenvoranschlag überschritten werden?
Ja — er ist eine Schätzung, keine Preisgarantie. Zeichnet sich aber eine wesentliche Überschreitung ab (die Rechtsprechung zieht die Grenze meist bei 15 bis 20 Prozent), muss der Handwerker das unverzüglich anzeigen (§ 649 BGB). Sie können dann kündigen und zahlen nur die bis dahin erbrachte Leistung.
Kostet ein Kostenvoranschlag etwas?
Im Zweifel nicht: § 632 Abs. 3 BGB stellt klar, dass ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten ist. Will der Betrieb Geld dafür, muss er das vorher ausdrücklich mit Ihnen vereinbaren.
Ist ein Angebot immer ein Festpreis?
Ein verbindliches Angebot bindet den Betrieb an die genannten Preise für die beschriebene Leistung. Ein echter Festpreis geht weiter: Er deckelt die Gesamtsumme auch gegen Mengenabweichungen. Lassen Sie das Wort „Festpreis“ ausdrücklich ins Dokument schreiben.
Was gilt, wenn nirgends „Angebot“ oder „Kostenvoranschlag“ draufsteht?
Dann entscheidet der Inhalt: Konkrete Positionen mit Preisen und Bindefrist sprechen für ein verbindliches Angebot, Formulierungen wie „ca.“, „voraussichtlich“ oder „Schätzung“ für einen Kostenvoranschlag. Im Zweifel schriftlich nachfragen — vor der Beauftragung.