Die Elektrik ist das unsichtbarste Gewerk im Haus — bis die Wände offen sind: Leitungen, Dosen und Verteiler verschwinden unter Putz, und mit ihnen die Vergleichbarkeit der Angebote. Dazu kommt eine Mengenlogik (Auslässe, Stromkreise, Brennstellen), die Laien selten durchschauen. Hier sind die realistischen Kostenspannen 2026 — und die Lücken, die Elektro-Angebote im Altbau teuer machen.
Richtwerte 2026
| Umfang / Niveau | Kosten |
|---|---|
| Basis-Sanierung im Altbau (Mindeststandard) | 60–85 €/m² Wohnfläche |
| Komplettsanierung, Standard-Ausstattung | 80–150 €/m² |
| Komfort / Smart Home / KNX | 150–300 €/m² |
| Einfamilienhaus (120–150 m²) komplett | 10.000–25.000 € |
Die Treiber: die Ausstattungsdichte (Zahl der Steckdosen, Schalter, Netzwerk- und Leuchtenauslässe je Raum), der Wandaufbau (Schlitze in Beton kosten mehr als in Porenbeton), der Zählerschrank (neue Verteilung nach aktuellen Anforderungen des Netzbetreibers) und ob die Sanierung bei offener Baustelle läuft oder im bewohnten Haus mit Staub- und Möbelmanagement.
Die typischen Angebotslücken
- Wiederherstellung der Oberflächen: Schlitze schließen ja — aber wer verputzt, spachtelt und streicht? Steht da „Malerarbeiten bauseits“, sind das Ihre Kosten. Solche Klauseln erkennen: Leistungsverzeichnis verstehen.
- Zählerschrank und Netzbetreiber: Der neue Zählerplatz muss den technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Netzbetreibers entsprechen — Anmeldung und ggf. Sperrzeiten gehören benannt und bepreist.
- FI-Schutzschalter und Überspannungsschutz: Stand der Technik bei Neuinstallationen — fehlen sie im Angebot, wird nicht auf aktuellem Standard saniert.
- Prüfung und Dokumentation: Nach der Sanierung gehört die Erstprüfung mit Messprotokoll (nach VDE-Normen) und ein Stromkreisverzeichnis dazu — Ihr Beleg für Versicherung und Verkauf.
- Regiestunden ohne Deckel: „Unvorhergesehenes nach Aufwand“ ist im Altbau legitim — aber nur mit Stundensatz, Schätzmenge und Freigabegrenze.
Förderung und Steuer
Eine eigene Elektro-Förderung gibt es nicht — aber zwei Wege: Als Umfeldmaßnahme läuft die Elektrik mit, wenn sie Teil eines geförderten Vorhabens ist (klassisch: Zählerschrank und Zuleitung beim Wärmepumpen-Einbau über KfW 458). Ansonsten sind die Arbeitskosten über § 35a absetzbar — bei einem lohnintensiven Gewerk wie Elektro ist der Jahreshöchstbetrag schnell ausgeschöpft.
Vor der Unterschrift
Anzahlung im üblichen Rahmen (10–20 %), Termine schriftlich, Eventualpositionen außerhalb der Summe — und einmal systematisch durch die 12-Punkte-Checkliste.
Häufige Fragen
Was kostet es, die Elektrik komplett zu erneuern?
Als Richtwert 2026: 80–150 € pro m² Wohnfläche für eine Komplettsanierung mit Standard-Ausstattung — ein Einfamilienhaus mit 120–150 m² liegt damit meist bei 10.000–25.000 €. Basis-Sanierungen im Altbau beginnen bei etwa 60 €/m², Komfort- und Smart-Home-Ausstattung reicht bis 300 €/m².
Wann muss die Elektrik erneuert werden?
Spätestens bei Sicherheitsmängeln: zwei-adrige Leitungen ohne Schutzleiter, fehlende FI-Schutzschalter in Bad und Außenbereich, Sicherungskasten ohne Reserve. Als Faustregel gelten Installationen über 30–40 Jahre als sanierungswürdig — verpflichtend ist die Erneuerung aber meist nur bei wesentlichen Umbauten oder echten Gefahrenstellen.
Gibt es Förderung für die Elektrosanierung?
Keine eigene: Die Elektrik ist kein BEG-Fördergegenstand. Sie wird aber als Umfeldmaßnahme mitgefördert, wenn sie zu einer geförderten Maßnahme gehört (z. B. Zählerschrank-Anpassung beim Wärmepumpen-Einbau über KfW 458). Ansonsten: Arbeitskosten über § 35a absetzen (20 %, max. 1.200 €/Jahr).
Warum sind Elektro-Angebote so schwer zu vergleichen?
Weil die Mengenlogik unterschiedlich ist: Manche Betriebe kalkulieren je Auslass (Steckdose, Schalter, Brennstelle), andere je Raum oder pauschal. Vergleichbar wird es erst, wenn Sie die Ausstattungsliste fixieren — wie viele Steckdosen/Schalter je Raum, welche Ausstattungsklasse — und alle Anbieter dagegen anbieten lassen.